06.12.2018

Plastikfrei-Challenge – ein einwöchiger Selbstversuch



Plastikmüll ist ein riesiges Problem – das weiß mittlerweile eigentlich jeder halbwegs informierte Mensch. So geht's mir zumindest. Ich weiß ganz viel über die Auswirkungen eines nicht-nachhaltigen – dazu zähle ich übrigens auch meinen, den da ist noch seeeehr viel Luft nach oben! – Lebensstils und lese so viel zum Thema, dass ich es eigentlich besser machen müsste. Ganz schön viele "eigentlichs" für einen so kurzen Textabschnitt. Aber genau DAS ist der Punkt. Seit Monaten geistert mir dieses Thema durch den Kopf und ich bin scheinbar zu bequem, um wirklich was zu verändern. Bis letztens eben. Denn manchmal braucht es einfach einen partner in crime, der ähnliche Gedanken hat und man sich gegenseitig motivieren aka in den Arsch treten kann. In dem Fall wäre das dann meine Freundin Jules von Junieundich – und wir haben also entschieden: Wir verzichten für eine Woche auf Plastik, schauen wie gut das läuft und ob man das langfristig in seinen Alltag integrieren kann. Gesagt getan. Und hier ist mein Erfahrungsbericht!



Eine Woche ohne Plastik– der Selbstversuch
Unsere Regeln waren easy: Egal ob Joghurtbecher, Einsatz in der Bäckertüte oder Zahnbürste –  wir kaufen eine Woche lang keinerlei Produkte, die Plastik enthalten. Dinge, die sich bereits in unserem Haushalt befinden, durften wir aber normal weiterhin verwenden.

Tag 1-2: Der Monatg beginnt direkt mit einem kleinen Downer: Meine Hafermilch ist leer und ich muss meinen Kaffee schwarz trinken. Mist! Als ich die Packung in den Müll werfe, wird mir klar, dass der Deckel aus Plastik ist – in der Mittagspause einfach schnell ne neue kaufen ist also nicht drin. Was tun? Auf dem Weg zur Arbeit google ich "Pflanzenmilch selbst machen" und lande bei eienr Methode mit Nussmilchbeutel. Klingt easy. Mache ich. Leider habe ich an diesem Tag superwenig Zeit und schaffe es nicht vor Ladenschluss in ein Reformhaus. Blöd, dass die nur sokurz geöffnet haben. Der Dienstagmorgen muss also nochmal mit Kaffee schwarz beginnen. Mein Supermarkt-Einkauf dauert dafür ziemlich lang, weil ich nicht einfach gedankenlos ins Regal greife sondern jede Verpackung auf Plastik checken muss. Meine geliebten Mais-Amaranth-Waffeln für die Netflix-Chillerei? Sojapudding zum Naschen? Plastikalarm! Ich verlasse den Laden mit unverpacktem Obst, Gemüse und Kartoffeln. Und ein bisschen Groll darüber, dass ich heute definitiv keinen meiner Lieblings-Treats bekommen werde. Am nächsten Tag geht's zu "Stückgut", ein Unverpackt-Laden, der komplett ohne Platikverpackungen auskommt. Dort finde ich nicht nur den Nussmilchbeutel sondern auch eine Menge Inspiration – Wahnsinn, was es alles in plastikfreier Form zu kaufen gibt! Bodylotion-Bars, Zahnpasta-Pastillen und Waschmittel sind nur ein kleiner Teil davon. Sogar Schokolade, Salzbrezeln und vegane Gummibärchen gibts dort. LOVE IT!

Tag 3-4: Mein erster Versuch, eigene Hafermilch herzustellen scheitert enorm. Obwohl das Rezept super einafch klang und ich einen Hochleistungsblender habe, schmeckt das Resultat widerlich schleimig und irgendwie so gar nicht lecker. Ich nehme mir vor, dass abends nochmal zu probieren und würge meinen Kaffee runter. Bei der Arbeit geht's mit Tupperdose zum Kumpir-Mann. Essen zum Mitnehmen ohne Plastikmüll: check! Auch interessant: Ich ernte weder komische Blicke noch kommen Nachfragen. Der Rest der Zeit gestaltet sich recht easy: Mein Gemüse kaufe ich beim Türken um die Ecke – regional, unverpackt und teilweise sogar um einiges günstiger als bei Rewe und Co. Statt meines Alpro-Puddings mache ich mir abends Nicecream. Der Kinoabend mit einer Freundin kommt auch ohne Plastik aus. Den ersten Fail gibt's dann doch: Der Pappkarton meines neu gekauften Knäckebrots entpuppt sich als trojanisches Pferd: Drinnen ist doch Plastikfolie. Warum nur?

Tag 5-7: Morgens in der Dusche die Erkenntnis: Shampoo und Duschgel sind fast leer. Beides Naturkosmetik aber in Plastik verpackt. Wenn ich also mein tägliches Duschen beibehalten möchte (äh ja bitte!), muss ich mir heute schnell eine Alternative suchen. Sowohl im Stückgut als auch bei Budni finde ich in Papier verpackte Haarseifen und Seifenstücke für den Körper. Ich kaufe und hoffe, dass davon meine sensible Haut nicht durchdreht. Außerdem wandert eine Bamus-Zahnbürste in meine Tasche. Bei meinem Stadtbummel bin ich trotzdem irgendwann ziemlich frustriert: veganes Essen spontan auf die Hand? Fast unmöglich. In einem gedankenlosen Moment bestelle ich einen coffee to go und bemerke erst beim Umrühren, was ich da gemacht habe: Plastikdeckel! So schnell kann's gehen, ich habe einfach nicht geschaltet. Sonntags begebe ich mich auf einen kurzen Bummel über den Hamburger Dom und obwohl ich nicht erwarte, dass ich dort irgendwas plastikfreies finde, werde ich eines Besseren belehrt: Schokoladenäpfel! Vegan! Frisch gemacht und nur mit Holzstiel. Ich feier das extrem und bin reichlich versöhnt mit unserer Challenge. Der Sonntag geht zuende und damit auch das Experiment.

Die Plastikfrei-Challenge: mein Fazit
Auch wenn ich es nicht ganz ohne Plastik geschafft habe: Ich bin extrem froh darüber, diese Challenge gemacht zu haben. Obwohl ich bereits wusste, das Plastik doof ist und wir viel zu viel davon verwenden, hat mir das Experiment eins ganz deutlich gezeigt: Plastikfrei ist in unserer Gesellschaft nahezu ein Ding der Unmöglichkeit! Zumindest ohne persönlichen Verzicht, zusätzlichen Aufwand und gute Vorbereitung. In der kurzen Woche habe ich gemerkt, dass ich zwar früher schon ein paar Dinge beachtet habe (loses Obst+Gemüse kaufen, keine Plastiktüten, eigener coffee-to-go-Becher) aber auch neue Dinge umsetzen möchte. Meine selbstgemachte Hafermilch ist mittlerweile recht yummy, die Körperseife geht auch klar und die Bambus-Zahnbürste sowieo. Was hingegen schlimm für ist: Haarseife anstelle von Shampoo verwenden. Meine Haare sind gleichzeitig strohig und fettig, geht gar nicht klar. Mein realistischer Zukunftsausblick: Ich werde nicht plastikfrei leben, möchte aber einige der "gelernten" Dinge in meinen Alltag übertragen. Und das Stück für Stück ausbauen. Weil jeder einzelne zählt und man nicht nur mit kleinen Schritten was bewegen  sondern auch anderen als positives Beispiel dienen kann. Ihr glaubt gar nicht, wie viele meiner Freunde mich auf die Challenge angesprochen haben, nachdem sie meine Insta-Stories gesehen haben. Und da war plötzliche eine Menge Austausch, man hat Tipps geteilt und über herausforderungen gesprochen. Und so wünsche ich mir das: Niemand muss perfekt plastikfrei seinen Alltag bewältigen – aber vielleicht an der ein oder anderen Schraube drehen, um den Konsum deutlich einzuschränken? Wunderbar! 

...übrigens: warum Plastik scheiße ist
Gründe dafür gibt's genug und ich werde nicht alle aufzählen können. Kurz zusammengefasst: Laut WWF schwimmen in jedem Quadratkilometer der Meere hunderttausende Teile Plastikmüll und die hauptsächlich Leidtragenden sind die Tiere: Seevögel, Schildkröten und Fische und viele mehr verwechseln unseren Müll mit Nahrung oder verheddern sich in Netzen und sterben qualvoll daran. 10 - 20 Jahre benötigt eine Plastiktüte bis sie sich im Wasser zersetzt hat, PET-Flaschen brauchen sogar 450 Jahre, bevor sie als Mikroplastik auf den Meeresgrund sinken. Plastik hat allerdings nicht nur für Tiere sondern natürlich auch für uns Menschen und die gesamte Umwelt fatale Folgen! Die gesundheitlichen Schäden sind z-B- noch überhaupt nicht richtig abschätzbar. Klar ist: Wir alle konsumieren immer noch zuviel Plastik und wissen das eigentlich auch. Somit gibt es genügend sonnenklare Gründe, auf Plastik zu verzichten. Und dennoch fällt es den meisten schwer, die Gewohnheiten und den Alltag entsprechend umzukrempeln. 

(...wie es bei mir weitergeht? Ich halte euch auf dem Laufenden!)
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